Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz
Bibliotheca Bipontina

 

Pferdebücher in der Bibliotheca Bipontina

Text zur Ausstellung „Historische Pferdedarstellungen aus fürstlichem Besitz in der Bibliotheca Bipontina"

Bei den Darstellungen, die in der Bibliotheca Bipontina Pferde thematisieren, muss man zwischen solchen unterscheiden, bei denen jene nur unter anderem vorkommen, wie übergreifende naturkundliche Abhandlungen, oder gar nur im Zusammenhang mit anderen Themen - quasi als Requisit - am Rande Erwähnung finden (Literatur über Theologie, Mythologie, Bildende Künste, Geschichte, allgemeine Landwirtschaft, etc.) und einer beträchtlichen Sammlung spezieller Pferdebücher .

Die Angehörigen der Birkenfeld-Bischweiler Linie, Nachfahren des jüngsten Sohnes Herzog Wolfgangs ( 1526 – 1569), Karl I. ( 1560 - 1600 ), waren ausgesprochen bibliophile Fürsten. Sie hatten die Angewohnheit, Zukäufe oder Geschenke für ihre bedeutende Bibliothek mit ihrem Namen und dem Datum der Inventarisierung zu kennzeichnen. Hierdurch lässt sich eindeutig der älteste Sohn Karls I., Georg Wilhelm ( 1591 - 1669 ), als Erwerber der meisten hippologischen Bände identifizieren, die auf uns gekommen sind. Fast alle Werke über Reitkunst, Rossarznei und Bisskunde tragen seinen Namenszug: „Georgius Wilhelmus Pfalzgravius“. Selbstverständlich wurde der Bestand durch seine Nachfolger, Christian I. bis IV. eifrig erweitert, wobei im Zusammenhang mit den Agrarreformen des 18. Jahrhunderts eine bemerkenswerte landwirtschaftliche Bibliothek entstand, die auch Pferdespezifisches enthielt.
Ein solcher Sammeleifer lässt schließen, dass die Zweibrücker Herzöge ein über gängige aristokratische Erziehung hinausgehendes Interesse an hippologischen Fragestellungen hatten. Ein entsprechend vertieftes Wissen um das Pferd darf vorausgesetzt werden. Es ist damit die Hypothese erlaubt, dieses Interesse im Zusammenhang mit der Gestütsgründung durch Christian IV. zu sehen. Auch seine zahlreichen Erlasse, die u.a. die Pferdezucht im Herzogtum regulieren, zeugen von einer steten Sorge um des Pferdewesen im Herzogtum.
Die Birkenfelder Bibliothek wurde mit dem Zeitpunkt, da sie Ende des 17. Jahrhunderts über Bischweiler als öffentliche Bibliothek nach Zweibrücken gekommen war, vom Hof nicht weiter ausgebaut. Der Herzog legte nun zusätzlich eine Privatsammlung an, die auf den Karlsberg und von dort, durch die Wirren der Französischen Revolution über Mannheim nach Bamberg kam, wo sie heute noch in der Staatsbibliothek existiert.
Überprüft man diesen Bestand hinsichtlich unserer Themenstellung, so ist festzustellen, dass auch später noch wichtige Pferdeautoren gesammelt wurden. Unter anderem besaß Karl II. August ( 1746 - 1795 ) Literatur aus der Feder von William Cavendish, Herzog von Newcastle , einer davon ursprünglich im Besitz des herzoglichen Majors Wilhelm (von) Rugé, sowie das „Wissen über Pferde“ von Jean de Saunier.